Wenn Hochsensible reisen

Foto: Haiko Hertes_pixelio.de

Eine wahre Begebenheit in Echtzeit.

 

heute möchte ich euch gern eine kleine, wahre Geschichte erzählen, die auch mich zwischenzeitlich an meine Grenzen gebracht hat. Wobei „Geschichte“ falsch ist, denn ich befinde mich noch mittendrin.

 

Eigentlich brauche ich nicht viel zu sagen, außer: Ich bin mit dem Zug unterwegs. Sehr empathische Hochsensible bekommen jetzt schon hektische Flecken.

 

Kennt ihr das Gefühl? Ihr steht am Bahnhof, schaut auf die Anzeigentafel (Abfahrt: 09:18 Uhr), schaut auf die Bahnhofsuhr daneben (09:20 –tick - 09:21 - tick– 09:22 Uhr) aber der Zug fährt nicht ein. Plötzlich die Durchsage, dass sich der Zug um einige Minuten verspäten wird. Danke für den Hinweis, denke ich mir genervt, denn lesen kann ich selber. Bei 8 Minuten Umsteigezeit ist das ungünstig. Ich merke, wie sich ein Tunnelblick entwickelt und ich stehe wie angewurzelt da und schaue verkrampft nach links. Eisiger Wind fegt durch mein Gesicht. Dann, 5 Minuten zu spät, trudelt der Zug tatsächlich ein. Erleichterung macht sich breit.

 

Die Türen gehen auf und die Erleichterung ist futsch. Am liebsten wäre ich direkt wieder umgedreht, aber, nützt ja nichts, seufze ich und quetsche mich in die Sardinenbüchse. Ein Sitzplatz wird überbewertet. Intimsphäre auch. Ich, 3 Köpfe kleiner als der Durchschnitt, stehe also mitten in der Menschenmenge und schaue auf Rücken und Brüste und fahre in Richtung Köln. Ich schaue mich um und bin fasziniert, wie viele unterschiedliche Menschen in diesem Zug stehen. Jeder mit seiner eigenen Geschichte. Ich sehe freundliche Gesichter. Genervte. Müde. Traurige. Lachende. Träumende. Da wird mir wieder bewusst, dass jeder Mensch wichtig ist. Jeder für sich. Mit seiner Vergangenheit, seiner Zukunft, seiner Familie. Zu gern hätte ich jeden einzelnen gefragt, was wohl sein Paket ist, welches er gerade mit sich herumschleppt.

 

Plötzlich bleibt der Zug stehen. Aus ungeklärten Gründen. Ich komme aus meinem Tagtraum zurück. Aus 3 Minuten Umsteigezeit werden 2….. 1…. 0. Totenstille im Zug. Wahnsinn, wie so viele Menschen so leise sein können. Cool bleiben, denke ich mir und reibe am Stein, den ich immer in meiner Jackentasche habe. Ich atme tief ein, halte die Luft an und atme laaaangsam wieder aus. Und noch einmal. Ich merke, wie die Anspannung nachlässt

 

In Köln angekommen verrät ein kurzer Blick auf die Uhr, dass mein Anschluss-Zug weg ist. BUFF. Wieder dieses machtlose Gefühl, die Wut auf mein Schicksal, die Frage, warum ich nicht früher los – oder einfach mit dem Auto gefahren bin und das quälende Gefühl, nun definitiv einen unangenehmen Anruf vor mir zu haben, um meine Verspätung anzukündigen. „Na und?“, sagt mir mein Inneres, „dann kommst du eben zu spät. Es ist wie es ist.“

 

„Stimmt!“, antworte ich mir.

 

Ich schlendere durch den Bahnhof und schaue mir die kleinen Läden an, die ich sonst nur vom Vorbeirrennen kenne. Heute nicht nötig. Plötzlich muss ich stehen bleiben. Ich rieche ich Calvin Klein: Contradiction. Ganz klar. Das Parfum habe ich mir während der Schulzeit immer in kleinen Pröbchen bei Douglas erschnorrt. Da habe ich 18 Jahre nicht dran gedacht und plötzlich ist es ganz präsent. Wo kam der Geruch gerade her? Keine Ahnung. Wahnsinn, was das Gehirn kann.

 

Ich frage mich, wie es wohl wäre, wenn ich meine kleinen Tipps und Tricks nicht kennen würde. Wenn ich meinen Stein nicht dabeihätte. Wenn ich nicht in jeder Situation das Positive sehen könnte. Würde ich in einer solchen Situation in Panik geraten? Die Hektik, die Kälte, die vielen Menschen, Gerüche, Enge, der Lärm am Bahnhof, das Gefühl, zu versagen, weil ich zu spät komme.

 

 Früher wäre ich durchgedreht… Heute bin ich relaxed und schreibe diesen Text. Und mir kommt eine Idee: Ein neues eBook ist geboren.

„10 praktische Soforthilfen bei akuter Überreizung!“

 

Alles, wirklich alles hat einen Sinn oder zumindest eine gute Seite.

 

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